1999

Das Nato-Bombardement

Der Flächenbrand rund um den Krieg in Kosovo hat auch Sombor, die serbische Partnerstadt des «Gemeinden Gemeinsam»-Regionalkomitees Bodensee-Rhein, erfasst. Der Schreck ist in der Erinnerung haften geblieben: Am 24.März führt der «Tagesanzeiger» auf der Liste der Nato-Angriffsziele auch die Partnerstadt auf. Am Abend wollen wir die geplante Gruppenreise vom 23. bis 29.April besprechen - dazu kommt es dann trotz der Sorge um unsere Freunde in der Vojvodina nicht: Die Hürden sind zu gross.

Die folgenden Auszüge aus Meldungen aus der Partnerstadt, aus Meldungen von Nachrichtenagenturen und Zeitungen nehmen nicht Stellung zum Krieg - das kommt «Gemeinden Gemeinsam» nicht zu; sie sind vielmehr Ausdruck der Sorge um gute Freunde, die nie mit dem Krieg zu tun hatten.

31. März 1999
Kaum ein Durchkommen
Wer Verwandte in Jugoslawien anrufen will oder Informationen möchte, ruft am besten morgens in der Früh an. Nach¬mittags und abends ist kaum an ein Durchkommen zu denken. Auf den internationalen Linien heisst es nur «die von ihnen ge¬wählte Richtung ist gestört Wollen sie bitte später anrufen». Statt dem «rappelez plus tard» ist auch «dieser Anschluss ist noch nicht in Betrieb» zu hören, es ertönt das Besetztzeichen oder die Verbindung kommt zwar zustande und wird auf dem Telefon-Display angezeigt aber die andere Seite bleib stumm. 70 bis 100mal mussge wählt werden - die Repetitionstaste im Dauerbetrieb.

Montagabend, 20.30 Uhr Die öffentlichen Telefonkabinen vor der Post sind dauernd besetzt. Einer, der wartet, hat seit Mittwoch nichts mehr von seinem Bruder im kleinen Dorf Kralevo, 200 Kilometer südlich von Belgrad, gehört. «Ich habe Angst um ihn», sagt er. «Hätte er ein Natel, könnte wenigstens er sich melden.»
Aus: «St.Galler Tagblatt», Christoph Zweili

 

Meldungen aus Sombor
• wir hören Nachrichten, wissen aber nicht, was vor sich geht
• wir haben Angst vor Repressionen gegenüber der ungarischen Minderheit
• wirtschaftlich sind wir in einer sehr schlechten Lage, es besteht praktisch keine Kaufkraft mehr
• wir haben den ganzen Tag nichts zu tun: Das schlägt aufs Gemüt
• Die ethnischen Spannungen sind seit 1991 konstant da
• ein paar Tage lang wurde Verdunkelung angeordnet
• Wir haben Angst
• Es gibt kein Benzin mehr
• Auch hier wurde Infrastrukturen wie Brücken, Strassen und Treibstofflager zerstört, nicht nur in Montenegro
• es ist eine Frage von Tagen, bis Serbien klein beigibt
• das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir noch einmal von vorne beginnen müssen
• das Telefon geht noch, aber sämtliche E-Mail-Verbindungen sind abgerissen

 

Was Nachrichtenagenturen in diesen Tagen berichten

Reuters, 6.4.1999
Die Nato hat nach Angaben Jugoslawiens in der Nacht zum Dienstag bei neuen Bombardements Ziele in mindestens fünf jugoslawischen Städten oder ihrer Umgebung getroffen. Die Nachrichtenagentur Tanjug meldete je fünf Explosionen in der nördlichen Metropole Novi Sad und im südserbischen Nis. Weiter seien der Ort Aleksinac sowie die Gegenden um Sombor und Loznica angegriffen worden ... (Quelle Tanjug).

sda/dpa/afp/reuters, 6.4.1999
Bei den Luftangriffen durch Nato-Flugzeuge auf Ziele in Jugoslawien ist in der Nacht zum Dienstag in Novi Sad, 80 Kilometer östlich von Belgrad, eine Ölraffinerie von mehreren Raketen getroffen worden. Dies berichtete das serbische Fernsehen. Sie sei in Flammen aufgegangen. Da die Raffinerie in unmittelbarer Nähe einer Wohnsiedlung liege, könne es viele Opfer gegeben haben. Auch der Ort Sombor, nordwestlich von Novi Sad, sei angegriffen worden. Dort sollen Treibstofflager und zwei wichtige Brücken zerstört worden sein, hiess es ...

Reuters, 6.4.1999
Am 13. Tag ihrer Luftangriffe gegen Jugoslawien hat die Nato am späten Montag abend eine Ölraffinerie in der Nähe der nordjugoslawischen Metropole Novi Sad getroffen. Bei dem schwersten Angriff der vergangenen Tage auf die Stadt sei die Raffinerie von mindestens zwei Raketen getroffen worden, meldete die staatliche jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug. Über der Anlage seien anschliessend riesige Flammen und dichter Rauch zu sehen gewesen. In der nördlichen Stadt Sombor schlugen Raketen in ein Treibstofflager ein. Das Fernsehen meldete einen riesigen Feuerball aus der Gegend des Depots ...

Reuters, 11.4.1999
Die jugoslawische Luftabwehr hat am Sonntag morgen nach staatlichen Medienberichten ein Kampfflugzeug der Nato abgeschossen. Das serbische Fernsehen berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, die Maschine sei kurz nach Mitternacht unweit der nordserbischen Stadt Sombor abgestürzt. Es habe einen Lichtblitz und zwei kurze Explosionen gegeben. Die amtliche jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug ergänzte, es sei eine Suchaktion eingeleitet worden. In US-Militärkreisen hiess es dagegen, die Nato habe keine Maschine verloren

sda/dpa/reuters/afp, 13.4.1999
Die Nato hat sich in der Nacht zum Dienstag auf die Zerstörung serbischer Treibstofflager konzentriert. In Pancevo nahe Belgrad und in Novi Sad wurden Raffinerien getroffen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Tanjug. Auch Treibstoffdepots nahe Sombor, nordwestlich von Belgrad, gingen in Flammen auf. Die gezielte Bombardierung der Treibstoffreserven zeigt nach Einschätzung der Nato inzwischen Wirkung. Der Armee und den paramilitärischen Einheiten im Kosovo gehe allmählich das Benzin aus. Durch die Nato-Luftangriffe sei die gesamte Treibstoffproduktion Jugoslawiens zum Erliegen gekommen, teilte das US-Verteidigungsministerium mit ...

Reuters, 16.4.1999
Die Nato hat ihre Luftangriffe in Jugoslawien in der Nacht zum Freitag fortgesetzt. Nach serbischen Angaben wurden Ziele in Belgrad und Novi Sad, in Montenegro und in der Ortschaft Subotica, zwölf Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt, angegriffen ...

Auch in der zweitgrössten Stadt Serbiens, in Novi Sad, gab es laut Tanjug eine schwere Explosion, als eine Öl-Raffinerie zum vierten Mal getroffen wurde. Erstmals wurden Einsätze auch nahe der ungarischen Grenze geflogen. In Subotica gab es laut Tanjug vier heftige Explosionen ...

Reuters, 3.5.1999
Nach einem Nato-Angriff ist am Sonntag gegen 22 Uhr MESZ Berichten zufolge in weiten Teilen Serbiens der Strom ausgefallen. Einwohner berichteten, in Belgrad und dem gesamten Gebiet zwischen den Städten Nis im Süden und Sombor nahe der Grenze zu Ungarn im Norden sei die Stromversorgung unterbrochen worden.

Reuters, 11.5.1999
Die Nato hat nach jugoslawischen Medienberichten bei Luftangriffen in der Nacht zum Dienstag Ziele in der Hauptstadt Belgrad und in allen anderen Teilen der jugoslawischen Teilrepublik Serbien bombardiert ...In Nordserbien nahm die Nato dem Bericht zufolge eine Rundfunk-Sendeanlage bei Crveno Selo nahe Subotica unter Beschuss, im Grenzgebiet zu Ungarn und Kroatien sei in Sombor ein Treibstofflager angegriffen worden ...

sda/dpa/afp, 12.5.1999
Die Nato hat am Dienstag abend und in der Nacht zum Mittwopch ihre Luftangriffe auf Jugoslawien fortgesetzt ...
In Sombor nahe der ungarischen Grenze wurde ein leeres Treibstofflager angegriffen ...

AP, 14.5.1999
... Am späten Donnerstag abend sei ausserdem eine Brücke in Vrbas an der Hauptstrasse zwischen Novi Sad und Sombor zerstört worden ...

Reuters, 12.5.1999
Die Nachrichtenagentur Beta meldete zudem fünf schwere Detonationen in Sombor nahe den Grenzen zu Ungarn und Kroatien ...

Nicht verifizierbare Bilder der zerstörten Schuhfabrik in Sombor nach den Nato-Angriffen 1999.

© by sombor.ch 2009 | powered by www.tagblattmedien.ch