2005

Gordana Savin, nominiert für den Friedensnobelpreis

Projektpartnerin des «Gemeinden Gemeinsam»-Regionalkomitees Bodensee-Rhein
Leiterin des Roten Kreuzes in Sombor
Trägerin des Oktoberpreises der Stadt Sombor
Nominiert für den Friedensnobelpreis 2005

 

 

 

Mit grosser Freude und Stolz hörten wir Ende Juni 2005 die Nachricht, dass Gordana Savin, von uns für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, nominiert worden ist. Das St. Galler Tagblatt stellte sie ausführlich vor. Wir hatten zuvor dem Komitee eine umfangreiche Dokumentation eingereicht - dieses, 20 Frauen aus allen Kontinenten, traf dann die Auswahl aus den vielen weltweit eingegangenen Nominationen. Unsere Aufgabe war es unter anderem, die Arbeit von Gordana in drei Sätzen zu charakterisieren.

Boba Egger und Arne Engeli hatten Gelegenheit, an einer öffentlichen Feier im Parlamentssaal in Sombor die Laudatio zu halten und Gordana zu gratulieren. Leider traf dann das Friedens-Nobelpreis-Komitee in Oslo im Oktober eine andere Wahl. Eine Ausstellung in Zürich und verschiedene Veranstaltungen würdigten aber die Arbeit der 1000 Frauen; sie ist in einem Buch dokumentiert. Erfreulich war auch die Vernetzung unter den sechs nominierten serbischen Frauen.

Kurzcharakteristik der Arbeit von Gordana Savin
• «Gordana Savin engagiert sich mit ihrem Team seit 14 Jahren initiativ, kreativ und nachhaltig für Flüchtlinge und sozial benachteiligte Menschen - bescheiden, ohne Eigennutz, ohne sich zu schonen.»

• «Ihr Engagement ist in einem schwierigen Umfeld mutig und verantwortungsbewusst und wirkt integrativ - damit hat sie Vertrauen und Respekt von allen Seiten gewonnen.»

• «Sie entwickelt immer wieder Visionen, wie sie zu einer besseren Zukunft vor allem der Jugend beitragen kann, und setzt ihre Pläne auch beharrlich um.»


Lebenslauf von Gordana Savin
(in Sombor Slavica Periškić erzählt, die ihn ins Englische übersetzte)

Die Leiterin des Roten Kreuzes wurde am 20.April 1955 in Odžaci/Vojvodina als viertes und jüngstes Kind geboren. Das Leben in einem multinationalen und
-kulturellen Umfeld prägte sie bereits früh. Die Strenge ihrer Mutter, die Aufgeschlossenheit ihres Vaters und das Leben in einer verhältnismässig armen Familie, in der alles durch sechs geteilt wurde, half ihr in den Kriegsjahren, mit der Flüchtlingssituation in Sombor zurecht zu kommen und trotz interethnischer Spannungen unparteiisch zu bleiben.

Alle vier Kinder pflegten die Ferien sowie die grossen Feiertage auf einem Bauernhof der Grosseltern an der Donau in der Nähe der Stadt Vukovar zu verbringen. Es war ein kleines Bauernhaus, umgeben von fruchtbarem Ackerland, das einzige in einem Umkreis von einigen Kilometern. Jeden Dienstag wurden die Produkte vom Hof nach Vukovar zum Markt gebracht, nachdem sie mit der Fähre über die Donau geschifft worden waren.

Ihr erster Kontakt mit dem Roten Kreuz betraf die erste Tragödie in ihrem Leben. Im Sommer 1965 erreichte die Donau ein kritisches Niveau: Um die Städte entlang der Donau zu schützen, wurden Hunderte Morgen der Ebene überschwemmt. Gordana und ihre Familie warteten am Tag vor der Überflutung im nahegelegenen Dorf Vajska. Zwischen dem Dorf und der Ebene wurde ein grosser Damm errichtet. Sie vergisst nie, wie sie mit den Kindern im Dorf auf dem Damm den Wasserstand beobachtete. Zwei Wochen später lieh der Grossvater ein Boot aus und alle gingen, um zu schauen, in welchem Zustand ihr Bauernhaus war. Heute denkt Gordana, dass es besser gewesen sein wäre, wenn sie nicht gegangen wären: Der Eindruck des zerstörten Haus, die toten Tiere und alles, was die Flut geholt hatte, erfüllten sie mit einem Gefühl der Traurigkeit und des Verlustes, das sie nie vergessen hat.

Grossvater und Grossmutter blieben in Vajska und die Kinder gingen zurück zu ihren Eltern. Es waren zwar genügend Lebensmittel da, um über den Winter zu kommen, aber da war kein Geld, um irgend etwas zu kaufen. Eines Morgens im September brachte der Postbote ein Schreiben, das an die Mutter adressiert war. Diese reiste anderntags nach Sombor und kehrte am Abend zurück, begleitet von zwei jungen Männern aus dem Dorf, die etwas in Beuteln trugen. Die Mutter rief alle zusammen und begann das Mitgebrachte auszupacken: Neue Schuhe für jedes Kind, Kleidung und Winterjacken, Schultaschen, Notizbücher und weitere für die Schule nötigen Dinge. Die Mutter sagte einfach: «Darum wurde ich vom Roten Kreuz Sombor eingeladen.» Die Kinder wurden angehalten, sich stets an diese Geste zu erinnern - Gordana Savin: «Ich habe es nie vergessen.»

Der Wiederaufbau des Bauernhofes dauerte lange. Im Frühling 1966 ging die älteste Schwester nach Deutschland, nur um für ein paar Jahre dort zu leben - sie blieb bis heute in Hamburg. Im November 1968 zog die Familie nach Sombor: Gordana blieb alleine mit ihren Eltern in Sombor. Die andere Schwester und der Bruder gingen ebenfalls nach Deutschland. Im November 1975 heiratete sie, im August 1976 kam der Sohn Jovan und 1981 die Tochter Aleksandra auf die Welt.

1987 suchte das Rote Kreuz in Sombor eine Assistentin für die Jugendarbeit sowie den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Gordana bewarb sich und wurde solange vorstellig, bis sie die 100-Prozent-Stelle am 1.April 1987 erhielt. Ab 1.Juli 1991 übernahm sie die Stellenleitung als Sekretärin. Mitte Juli erreichte sie die Nachricht vom Tumult in Vukovar - das Gerücht vom Krieg verbreitete sich. Da war keine Zeit für Denken und Zögern: Gordana wusste, dass die Zeit gekommen war, das Versprechen gegenüber der Mutter einzulösen, das sie ihr als Zehnjährige gegeben hatte.

Diese schreckliche Zeit dauerte von Juli 1991 bis Juli 2001. Zehn lange Jahre lang waren Tag und Nacht gefüllt mit Arbeit, mit dem Empfang der Flüchtlinge, galt es Leiden und Armut zu lindern und soziale Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerung und den Flüchtlingen abzubauen.

Ein paar der bewegendsten Ereignisse in Gordanas Leben
• August 1991, die erste grosse Flüchtlingswelle: Am 18. und 19.August kommen über 2000 Leute aus der Baranja, von Slawonien und von West-Srem nach Sombor. Ohne irgendeine vorhergehende Erfahrung versuchen Gordana und ihre Mannschaft, die Flüchtlinge vom ersten Tag an so gut als möglich zu betreuen. In jedem der 15 Dörfer um Sombor wird ein Aufnahmepunkt mit Freiwilligen des Suchdienstes und des Aufnahme- und Schutzdienstes eingerichtet. In weniger als 12 Stunden sind alle Ankommenden registriert, ist der Flüchtlingsnachweis erbracht und sind die aufnehmenden Familien benachrichtigt. Alten und Kranken sowie Müttern mit ihren Babys wird besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die Romaflüchtlinge bleiben vorübergehend im heutigen Jugendcamp des Roten Kreuzes, weil sie nicht in der Stadt bleiben wollen.

• April 1992: In zwei Wochen kommen über 4000 Flüchtlinge von Bosnien und von Herzegowina. Empfang, Einrichtung, Erste Hilfe: Dieselbe Arbeit beginnt von Neuem. Die Leute, die jetzt nach Sombor kommen, sind viel unvorbereiteter und bitterer. Niemand hat geglaubt, dass der Krieg im Bosnien ausbrechen würde, und niemand ist auf die Flüchtlingswelle aus Kroatien vorbereitet.

• Anfang 1992 gehen die Flüchtlinge aus der Baranja zurück nach Beli Manastir und die umgebenden Dörfer.

• Im September kommt eine neue Welle Flüchtlinge aus Kroatien, meistens aus den grossen Städten: Zagreb, Rijeka, Pula, Zadar, aus Osijek - über 2800 Flüchtlinge in einem Monat.

• Bis Mitte 1995 kommen die Flüchtlinge unorganisiert und in kleinen Gruppen in Sombor an. Bis Dezember 1994 werden in der Region 890 Flüchtlinge gezählt - 4000 kommen aus Bosnien und Herzegowina. Dass viele in organisierten Gruppen wieder zurück wollen, wertet Gordana als abschliessendes Friedenszeichen.

• Stattdessen rollt eine Welle von 14 000 konfusen, bitteren, jungen und alten, kranken und verletzten, durstigen und hungrigen, gedemütigten und misshandelten Menschen an. Gordana geht im Namen des Roten Kreuzes der Provinz Vojvodina mit ihrer achtköpfigen Mannschaft zum Aufnahmepunkt in Batrovac. Alles, was Gordana und ihre Mannschaft hatten, musste auf Sombor und Batrovac verteilt werden.

• In der Nacht vom 9. auf den 10.August versucht eine Gruppe Nationalisten im Dorf Stanišić die Dorfbewohner zu überzeugen, dass sie die Flüchtlinge nicht aufnehmen - mit der Begründung, dass es nicht genügend Raum gibt. Gordana ist glücklicherweise an Ort: Sie eskortiert wie stets auch hier die Busse von Sombor nach Stanišić. Als sie die Absicht der Nationalisten erkennt, bringt sie alle Flüchtlinge in der Mitte des Dorfes und lässt sie in eine Gaststätte gehen, um einen Saft zu trinken, während die Frauen des Dorfes Nahrung und Milch für die Babys holen.

Mit der Präsidentin des Roten Kreuzes Stanišić öffnet sie die Türen der Schuhfabrik wieder, die seit drei Jahren geschlossen ist. 20 Jugendliche holen zuhause die notwendige Ausrüstung für das Waschen und Säubern des sehr grossen Esszimmers und der Toiletten. Jemand aus Gordanas Mannschaft fährt zwischen Sombor und Stanišić hin und her - mit Matratzen, Kleidung, Windeln, Nahrung und Trinkwasser. Um zwei Uhr morgens ist die Halle sauber und vorbereitet, die Küche bereit und die Toiletten sind sauber. Die lokale Fabrik wurde so zum Aufnahmezentrum in Stanišić gemacht: In dieser Nacht werden 200 Flüchtlinge dort untergebracht. Die Absicht der politischen Wirrköpfe, Unruhe zu stiften auf dem Boden der Tragödie dieser Hilflosen wurde in nur drei Stunden vereitelt.

Tage und Wochen war das Engagement der Rotkreuz-Crew Tagesgespräch in der Region Sombor sowie in der lokalen Regierung. Alle wussten, dass Gordana und ihr Rotes Kreuz alles innerhalb ihrer Macht tun würden, um eine Tragödie mit tödlichem Ausgang zu verhindern und den Weg zu ebnen für eine harmonische Nachbarschaft und zu stabilen interethnischen Verhältnissen.

Im November und Dezember 1995 hat für Gordana die Verteilung der humanitären Mittel oberste Priorität. Sie will eine menschlichere Einstellung der einheimischen Bevölkerung gegenüber den 14 000 Flüchtlingen erreichen, um die vorhandenen Spannungen abzubauen und die aufkommende Bitterkeit zu lindern. Ihr System der Verteilung der humanitären Hilfsmittel von der Zentrale in Sombor in die Dörfer mit ihren Freiwilligen wird von den Spendern als ausserordentlich leistungsfähig gerühmt: Es wird in vielen andern Regionen des Landes eingeführt.

• In den folgenden drei Jahren schwankt die Zahl der Flüchtlinge. Ende 1998 sind noch immer über 14 000 Flüchtlinge vor Ort, 8000 beziehen humanitäre Hilfsmittel, deren Lieferung durch die internationalen Hilfswerke aber stark zurückgeht.

• Im Februar 1999 sprechen immer mehr Leute über die bevorstehende Bombardierung durch die Nato. Gordana will das nicht glauben, selbst dann nicht, als sie am 23.März ein vertrauliches Schreiben erhält - mit dem Auftrag, das Rote Kreuz für die Arbeit im Kriegszustand vorzubereiten. Am 24.März um 20 Uhr ruft die Schwester aus Hamburg an und berichtet über die Live-Übertragung der Natostarts im Fernsehen. Noch bevor sie den Satz beendet, fällt in Sombor die erste Bombe auf den Flughafen. Gordana trägt einen heftigen inneren Konflikt aus: Hier das Schutzbedürfnis für die eigene Familie, dort die Arbeit des Roten Kreuzes mit allen Schutzbefohlenen. Die Verantwortung hat Vorrang. Während der 78 Tage der Bombardierung hilft sie zusammen mit ihrer Mannschaft jeden Tag zehn bis zwölf Stunden, wo es gerade erforderlich ist. Die Verteilung der humanitären Hilfsmittel wurde nicht etwa gestoppt, sondern im Gegenteil bei jenen, die materiellen Schaden wegen der Bombardierung erfuhren, noch intensiviert. Die freiwilligen Blutspenden hatten hohe Priorität.

Das Nato-Bombardement 1999

Noch während die Bomben fallen, leitet das Rote Kreuz Vojvodina die Sammlung humanitärer Hilfsmittel für die leidende Bevölkerung in der Provinz Kosovo und Metohija ein. Auftragsgemäss stellt Gordana eine Mannschaft von 50 Freiwilligen aus der Vojvodina zusammen, darunter auch fünf Frauen aus ihrer eigenen Crew. Der Konvoi fährt am 19.Juni 1999 in Novi Sad ab und erreicht Rudari am Nachmittag. Über verschiedene Stationen wird Orahovac erreicht, wo Gordana im Schutz der KFOR zuerst serbische und albanische Repräsentanten aus Orahovac und Velika Hoca trifft. Mit deren Einverständnis beginnt die Verteilung der Hilfsmittel. Am 21.Juni werden zwei durch Sicherheitstruppen eskortierte LKWs auf zwei Positionen in Orahovac gestellt, wo Albaner leben, ein LKW in einen serbischen Dorfteil geordert und ein LKW fährt nach Velika Hoca, wo 1200 Serben leben.

• Am 26.Juni spätnachts ruft der Generalsekretär des serbischen Roten Kreuzes Gordana an. Sie soll dringend eine Mannschaft zusammenrufen, um nach Kosovo Polje zu gehen und dort ein Aufnahmezentrum für Vertriebene aufbauen. Gordana bietet vier junge Männer aus Sombor und vier aus Subotica auf. Sie starten am 28.Juni Richtung Kosovo Polje. Dort, in der Schule «Sveti Sava», die als Aufnahmezentrum dient, sind die Bedingungen eine Katastrophe, was die hygienischen Bedingungen und die Lebensmittel angeht. Der Kollege, der das Zentrum betreibt, hat zwar genügend Nahrungs- und Hygienematerial, aber keine Zeit für die weitere Organisation. Gordana nimmt das an die Hand: Sie gibt ihrer achtköpfigen Mannschaft konkrete Aufgaben: Zwölf Stunden später sind alle 280 Benutzer registriert, ist eine Hausordnung eingeführt und alle erhalten eine Aufgabe. Bis zum folgenden Morgen ist das vollständige Gebäude desinfiziert und die humanitären Hilfsmittel sind ordentlich gelagert, die Kinder gewaschen und ihr Haar mit Lausmittel behandelt. Der Kommandant der englischen KFOR-Einheit, verantwortlich für die Sicherheit der Repräsentanten der internationalen humanitären Organisationen, ist von der Organisation des Aufnahmezentrums sehr beeindruckt. In einem zweiten Schritt werden die vorhandenen humanitären Hilfsmittel rund um das Aufnahmezentrum an die Einwohner von Kosovo Polje und die 3000 Roma verteilt: Die Verteilung dauert drei Tage. Gordana tut ihr Bestes, um die hygienischen Bedingungen auch bei den Roma zu verbessern, hat aber weniger Erfolg, obwohl sich die allgemeine Situation verbessert. Fünf Tage später arbeitet das Aufnahmezentrum derart gut, dass sie nach Hause fährt, weil auch hier viel Arbeit auf sie wartet.

• Ende 1999 und während der Jahre 2000 und 2001 kamen grosse Mengen humanitäre Hilfsmittel von IFRC, vom WFP und von «Gemeinden Gemeinsam» für die Flüchtlinge, die Vertriebenen und die lokale Bevölkerung in Sombor an. Diese ist durch den Krieg verarmt und leidet unter den Konsequenzen der Bombardierung. Die Art und Weise, wie Gordana die Aufnahme und die Verteilung der Hilfsmittel organisierte, war so, dass jeder Benutzer die Hilfe unter Wahrung der eigenen Würde und dem Gefühl einer Übergangslösung annehmen konnte - zumindest, bis ein dauerhafter Ausweg aus der Krise gefunden wurde.

Gordana tat ihr Bestes, um humanitäre Hilfsmittel für alle Organisationen im Bereich der Ausbildung, der Gesundheitspflege und für den Kinder- und Sozialschutz zu erhalten. Das Krankenhaus Sombor, das Waisenhaus, die Behindertenschule, das Altersheim, das Studentenheim: Alle waren am Rande der Existenz und kämpften mit dem Überleben.

• Von 1994 bis 2005 erhielten alle armen Kinder in den 21 Volksschulen im Stadtbezirk täglich eine Mahlzeit. Während dieser langen zehn Jahre wurden über 20 Tonnen Milchpulver, Schmelzkäse und Säuglingsnahrung vom Regionalkomitee Bodensee-Rhein von «Gemeinden Gemeinsam» geliefert.

• Auf zwei Projekte ist Gordana besonders stolz: Auf die Suppenküche des Roten Kreuzes Sombor und die humanitäre Apotheke, weil sie vom grossen Wert für die Region waren.

Die humanitäre Apotheke des Roten Kreuzes wurde im April 1994 geöffnet und war bis Mitte 2002 geöffnet - sie war ein Gemeinschaftsprojekt des jugoslawischen Roten Kreuzes, des IRC und des UNHCR. Als Spender fungierten das Deutsche Rote Kreuz und als grösster Spender während acht Jahren «Gemeinden Gemeinsam». Die Apotheke half über 22 000 Begünstigten; mehr als 540 000 Verordnungen wurden ausgestellt. Vom ersten bis zum letzten Tag bestand Gordana auf einer rigorosen Registrierung aller Benutzer und dem exakten Nachweis der ankommenden und abgebenden Medikamente. Die Apotheke hatte einen ausserordentlichen Wert in der Gesundheitsvorbeugung der gefährdeten Bevölkerung; es war die einzige humanitäre Apotheke für die 18 Stadtbezirke in der Vojvodina. Von besonderem Wert war, dass hier alle gleich behandelt wurden - ob einheimisch oder Flüchtling: Alle hatten den gleichen Status und das Recht, Medikamente frei zu beziehen. Einzige Bedingung war der Nachweis der materiellen Bedürftigkeit.

• Die Suppenküche des Roten Kreuzes Sombor wurde am 1.August 1994 eröffnet, ein gemeinsames Programm des jugoslawischen Roten Kreuzes und des IFRC. Sie arbeitete bis Anfang 2002. 400 heisse Mahlzeiten wurden täglich für Menschen in Not zubereitet. Im August 1999 war die Zahl auf 1400 Begünstigte in der Stadt und in der Romasiedlung Bački Monoštor angewachsen. Die Küche arbeitete nur für die einheimische Bevölkerung. Mit Zustimmung der Spender erstellte Gordana eine Prioritätsliste mit Kindern ohne Eltern, einzelnen Eltern, mit kranken und alten Menschen. Es war für Gordana hart, dass nicht alle Bedürftigen eine heisse Mahlzeit erhalten konnten. Am Anfang wurden die Nahrungsmittel von IFRC und von YRC geliefert, 1998 war «Gemeinden Gemeinsam» noch der einzige Spender. Ab August 1999 leistete das ICRC bis zum Schluss Hilfe.

• Seit 1996 arbeiten junge Freiwillige, ausgebildet in IFRC-Kursen, in der Aids-Prävention an den Sekundarschulen - mit dem Ziel, dass alle Schüler über die gleichen Informationen verfügen. In der «Woche des Roten Kreuzes» wird das Rote Kreuz erklärt, seine Ursprung, die Grundregeln, die Ziele, die humanitären Regeln, das Gesundheitsprogramm. Vom jüngsten Schulkind an nehmen sich besonders ausgebildete «Jugendaktivisten» dieser Arbeit an.

• Ein Programmpunkt ist auch das freiwillige Blutspenden - jedes Jahr spenden drei Prozent der Bevölkerung Blut. Die Rotkreuz-Jugend, ausgebildet in IFRC-Kursen und beim Roten Kreuz Vojvodina, organisieren Versammlungen und Vorträge für Jugendliche an den Sekundarschulen.

• Seit über 30 Jahren werden Jugendliche auch in Erster Hilfe ausgebildet. Gordana versucht, soviele junge Menschen wie möglich anzuziehen: Jedes Jahr werden Kurse in der 7. und 8. Volksschul-Klasse sowie in den Sekundarschulen organisiert. Jeweils in der Stadtmitte gibt es einen Wettbewerb: Die Sieger nehmen dann an regionalen, serbischen und nationalen Ausscheidungen teil. Die Teams aus Sombor sind jeweils sehr erfolgreich - den Wettbewerb in der Jugendkategorie haben sie beispielsweise 1995, 1997, 1998 und 2000 gewonnen.

• Zwei Programme sind Gordana besonders lieb - das ist zum einen der Roma-Kindergarten in Bački Monoštor, den sie zusammen mit der Roma-Vereinigung initiiert hat. Der Kindergarten will Romakindern bei der Sozialisierung, in der Entwicklung des Gefühls der multinationalen und multikulturellen Toleranz helfen. Auch die Eltern werden geschult, um den Kindern bei der Vorbereitung auf die Schule zu helfen. Zwei Lehrer wurden engagiert, um die Kinder zu erziehen und für die Schule vorzubereiten, der Lehrer der Romavereinigung bringt den Kindern Serbisch und die nationale Romatradition und -kultur bei. Fachleute und Freiwillige des Roten Kreuzes fördern die Gesundheitsausbildung der Kinder und der Eltern durch Sport, in psychosozialen Werkstätten und persönlichen Besuchen. Das Projekt wird von IFRC unterstützt und von «Gemeinden Gemeinsam» mitfinanziert.

• Auch in das andere Projekt hat Gordana viel Zeit investiert. In der Nähe der Donau, zwischen dem Bačka-Kanal und dem Donau-Tisa-Donau-Kanal, gab es bis 1990 einen Erholungsort für Kinder. Als der Krieg anfing, wurde der Erholungsort aufgegeben. Stattdessen wurden hier die Flüchtlinge aus der Baranja untergebracht. Als die Flüchtlinge wieder gingen, blieb der Ort sich selbst überlassen und innert zwei Jahren vollständig zerstört. Im Sommer 1993 fasste Gordana den Entscheid, ihn wieder aufzubauen. Per Parlamentsentscheid im November 1994 wurde das Gelände dem Roten Kreuz geschenkt. Im Frühjahr 1995 wurde der Ort dank der Unterstützung ihrer Mitarbeiter und der Stadt Sombor wieder aufgebaut und dank der Hilfe vieler ausgerüstet. Auch «Gemeinden Gemeinsam» unterstützte den Aufbau des «Camps für die Kinder des Roten Kreuzes». Die berühmtesten Maler in Sombor und in Serbien spendeten ein Bild, damit in der Schweiz eine Verkaufsausstellung organisiert werden konnte.

Die Ausstellung, die 20 000 DM ergab, wurde in der Kantonsschule Romanshorn eröffnet. Andere Spender folgten (SDR, IFRC, ICRC, lokale Spender). Die serbisch-humanitäre Gesellschaft von Norwich kaufte vier Camping-Anhänger. Das Lager ist heute so ausgerüstet, dass 80 bis 100 junge Leute hier alles finden, um arbeiten zu können oder sich zu entspannen.

Gordana wusste, wenn das Lager genug attraktiv sein würde, es eine Möglichkeit wäre, um Jugendliche während der Sommerferien aus vielen Städten des Landes und der Welt dort zusammenzubringen. Bereits im Sommer 1995 wurden Sommerferien für Waisenkinder mit sachverständiger Hilfe von jungen Leuten aus der Schweiz organisiert. Hier werden auch Ausbilder von Jugendlichen geschult, sind angehende Pädagogen aus Hochschulen in Osijek (Kroatien), Baja (Ungarn) und aus Sombor zu Gast. Hier lernen Jugendliche aus der ganzen Vojvodina etwas über Erste Hilfe. Und hier finden auch die Jugendcamps mit Jugendlichen aus dem Balkan und der Schweiz statt, geleitet von jungen Erwachsenen aus der Schweiz. Gordanas Traum ist wahr geworden: Das Lager wurde international und unter dem Titel von «Toleranz und gegenseitigen Respekt» zu einem Platz für die Jugend vieler Länder.

• Das Rote Kreuz in Sombor erhielt 1992 einen Preis für die ausserordentliche Arbeit mit den Flüchtlingen und die humanitäre Tätigkeit. Im Oktober 1995 wurde Gordana Savin persönlich mit dem «Oktoberpreis», der höchsten Auszeichnung der Stadt Sombor ausgezeichnet.

Zeitungsartikel - Die Flüchtlingsfrau (30.06.05)

Gemeinden Gemeinsam Bodensee-Rhein schlägt am 29.Juni 2005 Gordana Savin, Sekretärin des Roten Kreuzes in Sombor, als eine von 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis vor. Gordana Savin ist seit 1992 die Hauptansprechpartnerin des Regionalkomitees Bodensee-Rhein.

Dossier für Friedensnobelpreis (15.03.05)

«Everybody knew that Gordana and her Crew of the Red Cross were determined to prevent a bigger tragedy from happening and to keep up a harmonious neighbourhood and interethnic relationships.» - das Bewerbungsdossier von Gordana Savin für den Friedensnobelpreis (englisch).

 

Bildergalerie von Gordana Savin

Gordana Savin erhält für ihren humanitären Einsatz die höchste Auszeichnung der Stadt Sombor, den Oktoberpreis 2005.
Gordana Savin 1995 im Lager des Roten Kreuzes in Sombor
Gordana Savin 1995 in der Humanitären Apotheke in Sombor, der einzigen Einrichtung dieser Art in Serbien
Gordana Savin 1995 mit Arne Engeli von Gemeinden Gemeinsam
Gordana Savin 1995 im Jugendcamp in Bački Monoštor
Gordana Savin 2001, müde und leer, zur Erholung in der Schweiz
Gordana Savin im Lager des Roten Kreuzes in Sombor 2001
Gordana mit ihrer Crew vom Roten Kreuz in Sombor 2004 - Pero und Biljana Klipa (links und rechts, unten), Gordana Matović-Zubelić (Vizepräsidentin), Ruedi Rinderknecht (Gast vom Regionalkomitee Bodensee-Rhein) und Ruza (von links)
Gordana Savin während der 10-Jahr-Jubiläumsreise des Regionalkomitees Bodensee-Rhein 2003 im Roten Kreuz in Sombor
Gordana Savin mit Branislav Milenković, Programm-Koordinator beim Serbischen Roten Kreuz, in Belgrad (2004)
Gordana Savin während der offiziellen Feier während der 10-Jahr-Jubiläumsfeier des Regionalkomitees Bodensee-Rhein
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