Ökonomie

Serbien versucht auf dem Weg nach Europa seinen geostrategischen Vorteil (sieben Nachbarländer) zu nutzen und zieht mittlerweile auch ausländische Firmen an.

Das Gemeindebudget 2006 betrug 14 Mio. Euro: 150 Euro pro Einwohner.

Die Krise
Die einseitig auf die Nahrungsmittel-Fabrikation und -Verarbeitung ausgerichtete (Sunce, Somboled, Pannonka) Industrie stürzte Sombor in den 1990er-Jahren in eine tiefe Krise. Im West Bačka-Bezirk war die Arbeitslosenrate in Sombor am höchsten - höher als in Kula, Odžaci und Apatin. Über 6000 Arbeiter verloren ihre Arbeit. 2003/2004 wurden Arbeiter von 16 Firmen entlassen, weil sie überflüssig waren oder im Zusammenhang mit Bankkrediten.
Der durchschnittliche Nettolohn in Serbien betrug 2006 ca. 275 Euro, in Sombor lag er gemäss inoffiziellen Angaben bei 220 Euro - deutlich tiefer als in Apatin (das vom Verkauf einer Brauerei profitiert).

2006 arbeiten nur noch die Ölfabrik Sunce (400 Angestellte), die Milchfabrik Somboled (300) und die Akkumulatorenfabrik mit dem bekannten Label «Brand Horse» (350) erfolgreich.

Ende 2007 sollte der Privatisierungsprozess in Sombor abgeschlossen sein.

Die Lösung?
Die Gemeinde Sombor versucht mit einem Entwicklungskonzept aus der Krise zu finden: Die unter anderem mit Geld von USAID erschlossene Industriezone zwischen zwei Hauptstrassen am Rand der Stadt in Richtung Novi Sad ist 100 Hektaren gross - die Hälfte war 2006 erschlossen und bereit für Investoren. Vor allem italienische Firmen zeigten Interesse, was guten Handelskammer-Kontakten mit Vincenza zuzuschreiben ist.

Ein Teil der Industriezone soll zollfrei erklärt werden, das serbische Finanzministerium hat das Projekt bereits bewilligt. Ein weiteres Projekt sieht einen Technologiepark in einem Teil der Industriezone vor. 14 Mio. Dinar wurden 2006 für die Entwicklung der Industriezone bereit gestellt. Die grosse Hoffnung: Bis 2010 sollen hier 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Ende 2005 hatten offiziell 24 000 einen Arbeitsplatz in Sombor - 8600 im Bereich Landwirtschaft, Jagd- und Forstwesen, 7700 in der Industrie und 1080 in der Gastronomie.

Die Inflation in Serbien lag 2005 offiziell bei 16,9 % und es herrschte 20 % Arbeitslosigkeit (ohne Kosovo). Die tatsächlichen Zahlen liegen allerdings höher, in Sombor betrug die Arbeitslosigkeit im September 2006 34,3 Prozent, aber die Ämter erfassen längst nicht alle Arbeitslosen.

Die Preise für Artikel für den täglichen Gebrauch in den Supermärkten sind mit jenen in der Schweiz in etwa vergleichbar - manche Artikel, wie Schokolade, Kaffee, bestimmte Putz- und Waschmittel-Sorten sind sogar teurer. In Sombor gibt es auffallend viele Banken (ca. 30) - sie sollen angeblich nur Kredite vergeben.

Laut regionaler Wirtschaftskammer waren 2002 4201 Unternehmen amtlich registriert, davon aktiv waren 1313 bis 1184 klein, 92 mittel und 32 gross - diese Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen.

Die Privatisierung ist praktisch abgeschlossen: Von 4201 Unternehmen sind 3625 privat, vom Rest sind 221 im Staatseigentum, 104 gemischt, 174 mit einer Genossenschaftsstruktur und 77 staatliche Unternehmen.

Dominierend sind Handelsfirmen (530), gefolgt von Industrie (245), Landwirtschaft (162), Bauindustrie (65) und andere (311).

Von 3985 privaten unabhängigen Unternehmern betätigen sich 25,5 % im Handel, 24,8 % in handwerklichen Berufen; 15 % im Bereich Industrie und Finanzen und 11,8 % in andere Dienstleistungen.

In der Region gibt es 33,5 erwerbstätige Arbeiter. Davon arbeiten 48,21 % in der Industrie, 20,44 % in der Landwirtschaft, 13,19 % im Handel, 4,44 % im Hotelmanagement und Tourismus, 4,3 % in der Konstruktion, 4,1 % im Transportgewerbe, 1,53 % im Finanzwesen und in anderen Dienstleistungsberufen, 1 % als Handwerker, 0,39 % im Wasserbau.

Rund 17% der Gesamtbevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig - die Agrarfläche in der Vojvodina ist 207 417 Hektaren gross, die kultivierte Grösse beträgt 185 628 Hektaren (davon belegt die Gemeinde Sombor 90 188 Hektaren).

Tourismus
Die Regierung in Belgrad hat für die touristische Entwicklung Serbiens für das Jahr 2006 Investitionen von 50 Mio. Euro ausgewiesen - gefördert werden Grossstädte wie Belgrad und Novi Sad sowie Kurorte, die Gebirge Kopaonik, Zlatibor und die Entwicklung rund um die Donau.

2006 gab es im West Bačka-Bezirk nur 257 touristische und gastronomische Angebote mit 667 Betten. In Sombor, das nur 20 000 Übernachtungen pro Jahr verzeichnete, bestand das touristische Einkommen lediglich aus den Kurtaxen.

Eine konkrete Initiative war die Eröffnung der 80 Kilometer langen Veloroute «Pannonski Put Mira» (Friedensradweg) im Oktober 2006, eine NGO-Initiative zwischen Sombor und Osijek - der Veloweg verbindet das durch die Donau getrennte Naturreservat Dunav Drava in Kroatien mit Gornje Podunavlje in Serbien. Der dritte Friedensradweg nach Berlin und Dublin verbindet die Städte Osijek und Sombor zweier Länder als ein Beispiel grenzüberschreitender Partnerschaft: Eine bemerkenswerte Initiative zweier Länder, die noch 1991 Krieg gegeneinander führten.

Die Route ist landschaftlich sehr schön angelegt und führt entlang bestehender Strassen in Grenznähe, die nicht stark befahren sind. Höhepunkt ist das Kopački Rit an der Mündung der Drava in die Donau, eine der am stärksten geschützten Sumpflandschaften in Europa, ein Vogelparadies.

Bilje, eine Ortschaft in der Nähe des Kopački Rits ist touristisch schon gut entwickelt: 2002 übernachteten hier noch keine Touristen, 2006 standen 200 Betten in 22 Privathäusern zur Verfügung - vom Januar bis November 2006 wurden 7000 Übernachtungen gebucht. Bilje ist heute zur festen Zwischenstation für amerikanische Schiffstouristen geworden, wie Ankica Bilandžić, Präsidentin der lokalen Tourismusorganisation, erzählt. Zusammen mit ihrer Freundin Marija Stipetić eröffnete sie 2002 ihre Pension Crvendać (Rotkehlchen) mit acht Betten, die inzwischen als erste Adresse in der Baranja und dritte in Slawonien gilt.

Auch auf serbischer Seite gibt es Privatinitiativen: Als Beispiel gilt die Entwicklung der Salaš von Aranka Hornjak-Mijić (eine von 16 in der Umgebung), einer Handball-Internationalen aus Sombor, die ihre alte Familienfarm von 1901 am Friedensradweg „Pannonski Put Mira" für Touristen herrichtet. Für den Erhalt der Farm erhält sie 40 Prozent der erheblichen Kosten vom Landwirtschaftsministerium erstattet. Die Somborerin plant fünf Ausbauschritte, den letzten mit einem Wert von 110 000 Schweizer Franken.

Pläne gibt es allerdings noch viele - die Umsetzung ist freilich eine andere Sache. In Sombor ist die Rede von einem Kunstzentrum, das mit einem Amphitheater mit 150 Plätzen in der Mitte eine Touristenattraktion werden könnte. Hier könnten literarische Treffen, Konzerte von Ethno bis Jazz und Rock sowie Bilderausstellungen und Shows stattfinden.

Bildung
Der Bildungsgrad der 97 263 Einwohner (2002) ergibt folgendes Bild: 36 700 Einwohner verfügen über einen Sekundarschul-Abschluss (8 Schuljahre), davon sind 20,7 Prozent Männer. 21 500 Einwohner besuchten nur die Primarschule (davon waren 46,5 Prozent Männer), 11 400 besuchten nur vier bis 7 Schuljahre (davon waren 35 Prozent Männer). 3880 haben überhaupt keine Schule besucht (davon 20,3 Prozent Männer).

Nur zehn Prozent der Bevölkerung verfügt über einen höheren Schulabschluss: 3400 besuchten eine zweijährige Fachhochschule (davon 53 Prozent Männer), 3900 besuchten das vierjährige Gymnasium (56 Prozent Männer).

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