Hilfe für «Otthon» in Stara Moravica

Verantwortlich Christoph Zweili, Romanshorn

Ausgangslage
60 Kilometer nordöstlich von Sombor, nahe der ungarischen Grenze, leben 340 erwachsene, meist sehr schwer geistig und mehrfach behinderte Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Wegen der nur kärglichen staatlichen Unterstützung herrscht grosser Personalmangel. Es fehlen Kleider, Schuhe, Unterwäsche, Bettwäsche, Desinfektionsmittel und Hygieneartikel. Ein Viertel der Behinderten ist ständig ans Bett gefesselt, weil Rollstühle fehlen. Ein Viertel ist ständig auf neuroleptische Medikamente angewiesen. Das Rote Kreuz in Sombor kann keine Hilfe mehr leisten, weil aufgrund der Flüchtlingssituation in Sombor keine Mittel mehr zur Verfügung stehen.

Die Reaktion
Redaktion und Verlag der Schweizerischen Bodensee-Zeitung sorgen gemeinsam mit «Gemeinden Gemeinsam» dafür, dass die «vergessenen Kindern der Gesellschaft» 1995 ein «Weihnachtsmärchen» erleben. Über 47 000 Franken kommen aus der Weihnachtsaktion zusammen, 20 000 DM werden «Otthon»-Direktorin Göngyi Budaj von der Redaktion Ende Februar 1996 persönlich übergeben. Für das übrige Geld wurden dringend benötigte Bettwäsche, Schuhe und Waschpulver gekauft.

246 Privatspender, 20 Firmen, Schulen, Vereine sowie SBZ-Redaktion und -Verlag haben zum stolzen Spendenbeitrag von 47 467 Franken beigetragen. Die Einzahlungsscheine zeigen Absender aus Minusio, Estavayer-le-Lac, Stein am Rhein oder Zürich. Fünf Prominente helfen bei der Sammlung mit: Kurt Furgler, alt Bundesrat, St. Gallen; Hermann Lei, Thurgauer Regierungsratspräsident, Weinfelden; Mathias Gnädinger, Schauspieler, Stein am Rhein; Georges-André Meier, Präsident Arbeitgeber-Vereinigung, Romanshorn; und Dino Larese, Schriftsteller, Amriswil.

Direktorin Göngyi Budaj will es bei der Übergabe in Stara Moravica kaum glauben: Kopfschüttelnd lässt sie sich vom Rundenrennen der Salmsacher Primarschüler erzählen, von der SBW-Adventsstundenidee in Romanshorn, von der Veloputz-Aktion der Kesswiler Schüler und der breiten Solidarität der «SBZ»-Leser. Auch sie legt Rechenschaft ab: Im Januar kam der erste Transport an - mit 300 Leintüchern, 300 Paar Turnschuhen, 400 Garnituren Unterwäsche und sieben Tonnen Waschpulver: Alles mit dem Geld aus der Weihnachtsaktion bezahlt. Mit der zweiten Hilfslieferung werden 1800 Kilogramm Teigwaren, 750 Kilo Capuccino, 240 Kilo Suppenpulver und 154 Bettzeug-Garnituren für «Otton» (Heim) in Stara Moravica gekauft.

Direktorin Göngyi Budaj ist bis heute dankbar für die Hilfe aus der Schweiz: 1994 hatte sie noch von einer «Insel der Verlorenen» gesprochen, von einer «Endstation, wo man nur noch sterben kann». Im Spätherbst 1993 waren hier 40 Heimbewohner gestorben - wegen fehlender Medikamente, Lebensmittel und der Kälte von bis zu minus zehn Grad, die mangels Heizöl in den Räumen herrschte.

 

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